Die letzten Europäer

„Man fragt sich, ob die Geschichte nicht im Begriff ist, eine geistreiche Synthese von zwei nietzscheanischen Begriffen zu schmieden, nämlich die des guten Europäers und die des letzten Menschen. Das könnte den letzten Europäer ergeben. Wir alle kämpfen darum, nicht zu einem solchen zu werden.“
Walter Benjamin an Stephan Lackner, Paris, 5. Mai 1940 

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Europa von einem Rückfall in nationalistische und menschenfeindliche Ideologien bedroht.

Der europäische Imperativ „Nie wieder!“ wird von Vielen in Frage gestellt, auch hier in Österreich. Zugleich entdecken Europas Nationalisten ihre eigene Fantasie vom „christlich-jüdischen Abendland“ – als Kampfbegriff gegen Zuwanderung und Integration. Die vorgeblich universellen Werte der Aufklärung, die zu den Grundlagen europäischer Verständigung nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts zählten, zeigen ihr anderes Gesicht und verkommen so zu Argumenten für Abschottung und Ausgrenzung.

Gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Hohenems öffnet sich das Wiener Volkskundemuseum zu einem Ort der Debatte über die Zukunft Europas, über die reale und die ideelle Substanz der Europäischen Union, über Gefährdungen und Chancen, über zukunftsweisende und überkommene Konzepte. Über die europäische Aufklärung wird hier ebenso zu streiten sein wie über ihre Kinder: Säkularisierung und Moderne, Emanzipation und Partizipation, Nationalismus und Chauvinismus, Kolonialismus und Kapitalismus.

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems. Kuratiert durch Michaela Feurstein-Prasser, Felicitas Heimann-Jelinek und unter Mitarbeit von Hannes Sulzenbacher

www.lasteuropeans.eu bietet nicht nur einen Rundgang durch die Ausstellung, sondern auch Interviews zur Entwicklung Europas, Aufzeichnungen der Veranstaltungen und ein kritisches europäisches Tagebuch.

Foto: Dietmar Walser