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	<title>Migration &#8211; Die letzten Europäer</title>
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	<description>Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee</description>
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		<title>Hilde Meisel – Hilda Olday – Hilda Monte: The Unity of Europe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hanno Loewy]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Apr 2023 09:27:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europäische Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Einigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Europäisches Tagebuch, 17. April 2023: Heute vor 78 Jahren, wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde die Schriftstellerin Hilda Monte am Grenzkontrollpunkt Tipis zwischen Vorarlberg und Liechtenstein erschossen. von Hanno Loewy Geboren wurde die sozialistische Widerstandskämpferin unter dem Namen Hilde Meisel am 31. Juli 1914 in Wien, drei Tage nach der Kriegserklärung Österreich-Ungarns [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Europäisches Tagebuch, 17. April 2023:</strong> Heute vor 78 Jahren, wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde die Schriftstellerin Hilda Monte am Grenzkontrollpunkt Tipis zwischen Vorarlberg und Liechtenstein erschossen.</p>
<p><em>von Hanno Loewy</em></p>
<p>Geboren wurde die sozialistische Widerstandskämpferin unter dem Namen Hilde Meisel am 31. Juli 1914 in Wien, drei Tage nach der Kriegserklärung Österreich-Ungarns gegen Serbien, mit der der erste Weltkrieg begann.</p>
<p>1915 zog ihre Familie – ihre Eltern Rosa und ernst Meisel und ihre ältere Schwester Margot – nach Berlin, wo ihr Vater ein Import-Export Geschäft führte. Schon als Jugendliche schloss sie sich dem „Internationalen Sozialistischen Kampfbund“ (ISK) an, der 1926 vom Philosophen Leonard Nelson gegründet wurde. 1929 besuchte sie zum ersten Mal England, 1932 ging sie für kurze Zeit nach Paris. Regelmäßig veröffentlichte sie in der ISK-Zeitschrift <em>Der Funke</em> Analysen der politischen und wirtschaftlichen Situation in England, Frankreich und Deutschland, Spanien und den Kolonien, nicht zuletzt in Afrika. Einer der letzten Texte, die sie im Februar 1933 im <em>Funke</em> veröffentlichte, beschäftigte sich mit dem Waffenschmuggel zwischen italienischen, österreichischen und ungarischen Faschisten, der über die Munitionsfabriken von Hirtenberger in Österreich abgewickelt wurde.<br />
Die Jahre 1933 und 1934 erlebte sie wieder im Deutschen Reich, bevor sie 1934 nach Paris und 1936 nach London emigrierte. Mehrere Male reiste sie auch danach illegal ins Deutsche Reich und half dabei, Aktionen des Arbeiterwiderstands zu organisieren. 1938 ging sie, um ihre Ausweisung aus England zu verhindern, eine Scheinehe mit dem deutsch-britischen Karikaturisten John Olday ein und wurde dadurch britische Staatsbürgerin.</p>
<div id="attachment_1754" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img aria-describedby="caption-attachment-1754" decoding="async" class="size-medium wp-image-1754" src="http://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2021/03/Hilda_Monte_f-per-037_web-855x324-1-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2021/03/Hilda_Monte_f-per-037_web-855x324-1-300x114.jpg 300w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2021/03/Hilda_Monte_f-per-037_web-855x324-1-768x291.jpg 768w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2021/03/Hilda_Monte_f-per-037_web-855x324-1.jpg 855w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-1754" class="wp-caption-text">Hilda Monte; © Archiv Jüdisches Museum Hohenems</p></div>
<p>Auch während des Krieges blieb sie im Widerstand aktiv, sei es als Kurierin der Internationalen Transportarbeiter-Föderation oder im Auftrag alliierter Geheimdienste. Und sie schrieb, zumeist unter dem Namen Hilda Monte. 1940 erschien ihr gemeinsam mit Fritz Eberhard (eigentlich Hellmuth von Rauschenplat) verfasstes Buch <em>How to conquer Hitler</em>. Sie war am Aufbau des Radiosenders „Europäische Revolution“ beteiligt und arbeitete für die deutschen Arbeiter-Sendungen der BBC. 1942 berichtete sie im Radio auch über die begonnene Massenvernichtung der Juden im besetzten Polen. Daneben schrieb sie Gedichte – und arbeitete an ihrem Roman <em>Where Freedom Perished</em>, der erst 1947 erscheinen sollte.</p>
<p>1943 erschien in London ihr Buch <em>The Unity of Europe</em>, in dem sie eine Vision für ein vereintes sozialistisches Europa mit gemeinsamen Institutionen, als politisch unabhängige revolutionäre Kraft zwischen den USA und der Sowjetunion entwickelte.</p>
<p>1944 ließ sie sich zusammen mit Anna Beyer, einer ISK-Kameradin, im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes OSS und österreichischer Sozialisten ins besetzte Frankreich einschleusen. Bald darauf holten René und Hanna Bertholet sie in die Schweiz, ins Tessin und nach Zürich, wo sie mit sozialistischen Emigranten gemeinsam Pläne für die Zeit nach der Befreiung entwarfen – und Hilda Monte davon träumte in China Genossenschaften aufzubauen und alternative Wirtschaftsformen zu studieren, während sie in Mußestunden Tonskulpturen anfertigte.</p>
<p>Im April 1945 meldete sie sich erneut für einen heiklen Auftrag. Von Zürich aus ging sie illegal über die Grenze, um Kontakt mit Sozialisten in Vorarlberg herzustellen, mit einem Fragebogen im Kopf, der das Verhältnis verschiedener Widerstandsgruppen zu einander und die politischen Perspektiven in Vorarlberg nach der Befreiung ausloten sollte. Vermutlich sollte sie auch die Möglichkeiten ausloten, sozialistische Emigranten ins Reich zu schleusen, um den politischen Neuanfang nach der Befreiung vorzubereiten.</p>
<p>Auf dem Rückweg von Feldkirch nach Liechtenstein wurde sie am 17. April 1945 in der Nacht an der Grenze von einer Grenzwache aufgegriffen und im Zollamt Tisis festgehalten. Beim Versuch, in den Morgenstunden zu fliehen, wurde sie angeschossen und verblutete an Ort und Stelle.<br />
Ihre gefälschten Papiere wiesen sie als Eva Schneider aus Berlin aus: „Kontoristin im Propagandaministerium“. Sie wurde als „vermutlich protestantisch“ auf dem evangelischen Friedhof von Feldkirch beigesetzt. Österreichische Sozialisten setzten auf ihr Grab den Stein mit der Inschrift: „Hier ruht unsere unvergessliche Genossin Hilde Monte-Olday. Geb. 31.7. 1914 in Wien. Gest. 17.4.1945 in Feldkirch. Sie lebte und starb im Dienste der sozialistischen Idee“.</p>
<div id="attachment_1908" style="width: 1008px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-1908" decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-1908" src="http://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2021/04/IMG_2390_klein-1024x769.jpg" alt="" width="1008" height="757" srcset="https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2021/04/IMG_2390_klein-1024x769.jpg 1024w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2021/04/IMG_2390_klein-300x225.jpg 300w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2021/04/IMG_2390_klein-768x576.jpg 768w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2021/04/IMG_2390_klein-1008x757.jpg 1008w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2021/04/IMG_2390_klein.jpg 1427w" sizes="(max-width: 1008px) 100vw, 1008px" /><p id="caption-attachment-1908" class="wp-caption-text">Grab von Hilda Monte</p></div>
<p>Viele ihrer Genossinnen und Genossen wurden prominente Mitglieder der SPD, wie Susanne Miller und Willi Eichler, der große Teile des Godesberger Programms schrieb, Gründerinnen und Gründer politischer und philosophischer Akademien oder, wie Hanna und René Bertholet, der <em>Europäischen Verlagsanstalt</em> in Hamburg. All dies hat Hilda Monte, geboren am Beginn des ersten Weltkriegs, getötet in den letzten Kriegstagen des zweiten, nicht mehr erlebt. Auch nicht die Gründung der Europäischen Gemeinschaft.</p>
<p>1943, als ihr Buch <em>The Unity of Europe</em> erschien, schrieb sie in einem Brief an Julius Braunthal, den Sekretär der Sozialistischen Internationale in London: „If you ask me what nationality you should add to my name – I must say that I don’t quite know how to answer that question. I am British by nationality now, Hungarian by origin, and have lived and worked a lot in Germany. I can only define myself as a European, but I guess that we have not reached the stage where that is permissible.” Mit diesem Anspruch würde sie auch heute noch scheitern.</p>
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		<title>Rosa Luxemburg: Die Freiheit der Andersdenkenden</title>
		<link>https://www.lasteuropeans.eu/2743/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hanno Loewy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Jan 2023 10:41:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Letzte Europäer]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Rechte]]></category>
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					<description><![CDATA[Europäisches Tagebuch, 15.1.2023: Heute vor 104 Jahren wurde die Sozialistin Rosa Luxemburg in Berlin von Angehörigen der „Garde-Kavallerie-Schützen-Division“ ermordet. Ihre namentlich bekannten Mörder wurden nie bestraft. 1871 im polnischen, damals zu Russland gehörenden Zamosc geboren, zog sie schon im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie nach Warschau. Ein jähr später wurde ein Hüftleiden der dreijährigen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Europäisches Tagebuch, 15.1.2023:</strong> Heute vor 104 Jahren wurde die Sozialistin Rosa Luxemburg in Berlin von Angehörigen der „Garde-Kavallerie-Schützen-Division“ ermordet. Ihre namentlich bekannten Mörder wurden nie bestraft.</p>
<p>1871 im polnischen, damals zu Russland gehörenden Zamosc geboren, zog sie schon im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie nach Warschau. Ein jähr später wurde ein Hüftleiden der dreijährigen irrtümlich als Tuberkulose diagnostiziert und falsch behandelt. Ihr Leben lang würde sie daran leiden, zu Hinken.<br />
Mit fünf Jahren wurde sie zu fast einem Jahr Bettruhe verurteilt, lernte autodidaktisch Lesen und Schreiben, blieb kleinwüchsig, und begann mit neun Jahren, deutsche Texte ins Polnische zu übersetzen, Gedichte und Novellen zu schreiben. Über Kaiser Wilhelm, der Warschau besuchte, als sie 13 Jahre alt war, schrieb sie ein polnisches Spottgedicht, in dem es hieß: „Sage deinem listigen Lumpen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Bismarck">Bismarck /</a> Tue es für Europa, Kaiser des Westens / Befiehl ihm, daß er die Friedenshose nicht zuschanden macht.“</p>
<div id="attachment_2752" style="width: 176px" class="wp-caption alignleft"><img aria-describedby="caption-attachment-2752" decoding="async" loading="lazy" class="size-medium wp-image-2752" src="http://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_1883-176x300.jpg" alt="" width="176" height="300" srcset="https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_1883-176x300.jpg 176w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_1883-602x1024.jpg 602w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_1883-768x1307.jpg 768w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_1883-903x1536.jpg 903w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_1883-1008x1715.jpg 1008w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_1883.jpg 1024w" sizes="(max-width: 176px) 100vw, 176px" /><p id="caption-attachment-2752" class="wp-caption-text">Rosa Luxemburg, um 1883</p></div>
<p>Rosa wuchs vielsprachig auf, zuhause wurde Polnisch und Deutsch gesprochen, sie sprach Russisch und Französisch, las Englisch, verstand Italienisch, und lernte Latein und Altgriechisch. Schon als 15jährige schloss sie sich revolutionären Kreisen an, einer 1882 gegründeten Gruppe namens „Proletariat“. 1888 flieht sie vor der zaristischen Polizei in die Schweiz.<br />
In Zürich dürfen Frauen gleichberechtigt wie Männer studieren. Der einzige Ort in Europa, wo dies möglich ist. Viele junge, jüdische Frauen aus Osteuropa nutzen diese Chance. Rosa studiert Philosophie, Mathematik, Botanik und Zoologie, dann Völkerrecht und Staatsrecht, Volkswirtschaft, Staatswissenschaft und Geschichte.</p>
<p>Die Botanik ist ihre große Leidenschaft, doch ihr Lebensinhalt wird schließlich doch, angezogen durch einen jungen Revolutionär aus Russland,  der politische Kampf für die Freiheit &#8211; für alle. Bald schließt sie sich der Polnischen Sozialistischen Partei an. Doch entgegen der Parteilinie vertritt sie einen entschiedenen Internationalismus, gründet mit ihrem Lebensgefährten Leo Jogiches und anderen Genossen die polnische Exilzeitung <em>Arbeitersache</em> in Paris und wendet sich gegen den polnischen Nationalismus. Sie wird aus der Partei ausgeschlossen und gründet eine neue Solzialdemokratische Partei, die statt für Polens Unabhängigkeit für demokratische Reformen in Russland eintritt. Ein unabhängiges Polen sei eine Fata Morgana, die das polnische Proletariat nur vom Klassenkampf ablenken würden, so wie auch in anderen Ländern. Fortan wird sie als Jüdin Ziel ständiger antisemitischer Attacken, wird als „jüdisches Auswurf“ beschimpft, deren „teuflisches Zerstörungswerk“ die „Ermordung Polens“ zum Ziel habe.<br />
Ihr Kampf gegen den wachsenden Nationalismus auch in der Arbeiterbewegung brachte sie mit vielen führenden Sozialdemokraten, später auch mit Lenin in heftige Konflikte. Als Jüdin und als Frau schlagen ihr immer wieder entwürdigende Untertöne, auch in Äußerungen von Genossen entgegen. Trotzdem wird sie, ab 1897 in Deutschland lebend, zu einer der Wortführerinnen des linken Flügels der SPD.</p>
<div id="attachment_2756" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-2756" decoding="async" loading="lazy" class="size-medium wp-image-2756" src="http://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_SPD_Parteischule1907_vierte-von-Links_neben-August-Bebel-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_SPD_Parteischule1907_vierte-von-Links_neben-August-Bebel-300x225.jpg 300w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_SPD_Parteischule1907_vierte-von-Links_neben-August-Bebel-768x576.jpg 768w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Rosa_Luxemburg_SPD_Parteischule1907_vierte-von-Links_neben-August-Bebel.jpg 940w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-2756" class="wp-caption-text">SPD Parteischule, 1907<br />Rosa Luxemburg (vierte von links, neben August Bebel)</p></div>
<p>Den Reformismus lehnt sie ebenso ab wie den autoritären Parteizentralismus Lenins. Immerhin gelingt es ihr, führende westeuropäische Sozialdemokraten zu einer entschiedenen Erklärung gegen den wachsenden Antisemitismus zu bewegen. Auf ihr Judentum möchte sie freilich selbst nicht zurückgeworfen werden.  „Was willst Du mit den speziellen Judenschmerzen? Mir sind die armen Opfer der Gummiplantagen in Putumayo, die Neger in Afrika, mit deren Körper die Europäer Fangball spielen, ebenso nahe.“ Ihr Internationalismus geht über Europa hinaus. „Ich habe keinen Sonderwinkel im Herzen für das Ghetto. Ich fühle mich in der ganzen Welt zu Hause, wo es Wolken und Vögel und Menschentränen gibt.“</p>
<div id="attachment_2750" style="width: 230px" class="wp-caption alignleft"><img aria-describedby="caption-attachment-2750" decoding="async" loading="lazy" class="size-medium wp-image-2750" src="http://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/7_Rosa_Luxemburg_Pinkau_wikimedia_commons-1-230x300.jpg" alt="" width="230" height="300" srcset="https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/7_Rosa_Luxemburg_Pinkau_wikimedia_commons-1-230x300.jpg 230w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/7_Rosa_Luxemburg_Pinkau_wikimedia_commons-1-785x1024.jpg 785w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/7_Rosa_Luxemburg_Pinkau_wikimedia_commons-1-768x1002.jpg 768w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/7_Rosa_Luxemburg_Pinkau_wikimedia_commons-1-1177x1536.jpg 1177w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/7_Rosa_Luxemburg_Pinkau_wikimedia_commons-1-1570x2048.jpg 1570w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/7_Rosa_Luxemburg_Pinkau_wikimedia_commons-1-1008x1315.jpg 1008w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/7_Rosa_Luxemburg_Pinkau_wikimedia_commons-1-scaled.jpg 1962w" sizes="(max-width: 230px) 100vw, 230px" /><p id="caption-attachment-2750" class="wp-caption-text">Rosa Luxemburg<br />Foto: Karl Pinkau, Wikimedia</p></div>
<p>Den kommenden Weltkrieg und all die damit verbundenen Bestialitäten, die Katastrophe Europas, sieht sie mit großer Klarheit voraus. 1913 hält sie in Frankfurt am 25. September im „Titania“ in der Basaltstraße eine mutige Rede gegen den Krieg, die sie ins Gefängnis bringen würde: „Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffen gegen unsere französischen oder anderen ausländischen Brüder zu erheben, so erklären wir: ‚Nein, das tun wir nicht!‘“ Weniger als ein Jahr später muss sie ernüchtert feststellen, dass auch in den europäischen Arbeiterparteien der Nationalismus alle Vernunft – und alle Träume vom internationalen Klassenbewusstsein – hinweggeschwemmt hatte. Im August 1914 gründete sie mit anderen Kriegsgegnern in der SPD die „Gruppe Internationale“ aus der später die „Spartakusgruppe“ hervorgehen sollte.</p>
<p>Schon im Februar 1914 wurde Luxemburg aufgrund ihrer Frankfurter Rede wegen „Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und Anordnungen der Obrigkeit“ zu vierzehn Monaten Gefängnis verurteilt. Im Februar 1915 musste sie ihre Haft im Berliner „Weibergefängnis“ antreten. Ihre Briefe aus der Haft gehören zu den bewegendsten Schriften, die sie hinterlassen sollte.</p>
<p>„Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin kein richtiger Mensch, sondern auch irgendein Vogel oder ein anderes Tier in Menschengestalt;&#8221; so schreibt sie aus dem Gefängnis an Karl Liebknecht, &#8220;innerlich fühle ich mich in so einem Stückchen Garten wie hier oder im Feld unter Hummeln und Gras viel mehr in meiner Heimat als – auf einem Parteitag (…) Mein innerstes Ich gehört mehr meinen Kohlmeisen als den ,Genossen‘.“<br />
Auch ein Herbarium wird sie im Gefängnis anlegen. Ihre Liebe zu den Pflanzen hat sie niemals aufgegeben.</p>
<p>1916 wieder entlassen, wurde sie schon drei Monate später erneut verhaftet. Bis 1918 verbrachte sie schließlich mehr als drei Jahre im Gefängnis. In ihren dort unter dem Pseudonym Junius verfassten Thesen zog sie 1917 eine fatalistische und zugleich trotzige Bilanz: „Der Weltkrieg hat die Resultate der vierzigjährigen Arbeit des europäischen Sozialismus zunichte gemacht.“ Nicht durch eine größere Macht seien die Sozialisten zerstört worden, sie hätten sich selbst „gesprengt“. Die Hauptaufgabe in dieser Situation sei: „das Proletariat aller Länder zu einer lebendigen revolutionären Macht zusammenzufassen, es durch eine starke internationale Organisation mit einheitlicher Auffassung seiner Interessen und Aufgaben, mit einheitlicher Taktik und politischer Aktionsfähigkeit im Frieden wie im Kriege zu dem entscheidenden Faktor des politischen Lebens zu machen, zu dessen Rolle es durch die Geschichte berufen ist“. Und zugleich kritisierte sie die totalitären Tendenzen der russischen Revolution: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenken.“<br />
All das blieb Utopie. Im November 1918 spaltete sich die Arbeiterbewegung und die kurzlebige Räterepublik in Deutschland. Im Bürgerkrieg verbündete sich die Mehrheit der Sozialdemokraten unter Ebert mit Freikorps und kaiserlichen Truppen zur Niederschlagung der schwachen revolutionären Kräfte des Spartakusaufstands.</p>
<p>In diesen Tagen, in denen sich die Ereignisse überschlugen, geriet auch Rosa Luxemburg in scharfen Gegensatz zur Führung der Spartakisten um Karl Liebknecht. Vergeblich warnte sie vor dem aussichtslosen Versuch einer bewaffneten Revolution und forderte, sich demokratischen Wahlen zu stellen. Doch ihre Mahnungen gingen unter. Die letzten Wochen ihres Lebens müssen von Ohnmacht und verzweifeltem Willen geprägt gewesen sein, gegen ihre eigenen Überzeugungen öffentlich in der Zeitung <em>Die rote Fahne </em>an der Revolution festzuhalten – während in den Straßen Berlins zum Mord an ihr und Liebknecht aufgerufen wurde.<br />
Am 15. Januar 1919 wurde sie, am gleichen Tag wie Karl Liebknecht, in Berlin von Soldaten der „Garde-Kavallerie-Schützen-Division“ verhaftet und auf bestialische Weise ermordet. In einem Berliner Nobelhotel, in dem die Miliz ihr Quartier aufgeschlagen hatte, wurde sie gequält, dann zu einem Auto geschleppt. Mit einem Gewehrkolben versuchten ihre Mörder ihr den Kopf einzuschlagen, fuhren die in zwischen ohnmächtige zum Landwehrkanal, schossen ihr unterwegs in den Kopf, umwickelten ihre Leiche mit Stacheldraht und warfen sie ins Wasser. Ende Mai wurden ihre Überreste an einer Schleuse gefunden. Zu ihrer Beerdigung am 13. Juni 1919 kamen Tausende.</p>
<div id="attachment_2758" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img aria-describedby="caption-attachment-2758" decoding="async" loading="lazy" class="size-medium wp-image-2758" src="http://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Bundesarchiv_Bild_146-1976-067-25A_Beisetzung_von_Rosa_Luxemburg_1913_6_13-300x206.jpg" alt="" width="300" height="206" srcset="https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Bundesarchiv_Bild_146-1976-067-25A_Beisetzung_von_Rosa_Luxemburg_1913_6_13-300x206.jpg 300w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Bundesarchiv_Bild_146-1976-067-25A_Beisetzung_von_Rosa_Luxemburg_1913_6_13-768x526.jpg 768w, https://www.lasteuropeans.eu/wp-content/uploads/2023/01/Bundesarchiv_Bild_146-1976-067-25A_Beisetzung_von_Rosa_Luxemburg_1913_6_13.jpg 800w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-2758" class="wp-caption-text">Die Beisetzung von Rosa Luxemburg am 13. Juni 1919<br />Bundesarchiv, Koblenz</p></div>
<p>Der Heidelberger Sozialdemokrat Julius Gumbel erforschte später die politischen Morde in Deutschland. Er kam auf folgende Zahlen: Von 1918 bis 1922 ermordeten Linke 22 Menschen. Es kam zu 38 Verurteilungen. Die Rechte verübte im selben Zeitraum 354 Morde. Es kam zu 24 Verurteilungen. In 23 Fällen sprachen die Gerichte selbst geständige Täter, die sich offen ihrer Taten brüsteten, frei.<br />
1935 schändeten die Nazis ihr Grab und ließen auch ihre sterblichen Überreste verschwinden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Siehe auch:<br />
„Rosa Luxemburg. Herbarium“, Evelin Wittich (Hrsg.), Karl Dietz Verlag, Berlin 2019.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Sicherung der Außengrenzen</title>
		<link>https://www.lasteuropeans.eu/sicherung-der-aussengrenzen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hanno Loewy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Jun 2021 05:18:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
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					<description><![CDATA[Rückblick, 13.6.2020: Seit einigen Tagen häufen sich Berichte über Misshandlungen von Flüchtlingen. Kroatien „sichert“ die EU-Außengrenze und sichert sich damit vor allem den Beifall aller europäischen Rechtspopulisten von Sebastian Kurz bis Viktor Orban. Flüchtlinge, die von Bosnien und Herzegowina versuchen nach Kroatien zu gelangen, sollen nach Ermittlungen von Amnesty International wiederholt geschlagen, getreten und misshandelt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Rückblick, 13.6.2020:</strong> Seit einigen Tagen häufen sich Berichte über Misshandlungen von Flüchtlingen. Kroatien „sichert“ die EU-Außengrenze und sichert sich damit vor allem den Beifall aller europäischen Rechtspopulisten von Sebastian Kurz bis Viktor Orban. Flüchtlinge, die von Bosnien und Herzegowina versuchen nach Kroatien zu gelangen, sollen nach Ermittlungen von Amnesty International wiederholt geschlagen, getreten und misshandelt werden. Amnesty berichtet von zahlreichen komplizierten Knochenbrüchen und schweren Kopfwunden. Das Kroatische Innenministerium weist alle entsprechenden Vorwürfe umgehend zurück. Die EU-Kommission verlangt Aufklärung: „Wir sind sehr besorgt über die Vorwürfe unmenschlicher und erniedrigender Behandlung von Migranten und Asylsuchenden an der kroatischen Grenze zu Bosnien und Herzegowina“. Damit bezieht die EU-Kommission zum ersten Mal deutlich Stellung. Schon im Januar hatten sich Berichte gehäuft, dass es regelmäßig und systematisch zu Gewalttaten kroatischer Grenzbeamten gegen Flüchtlinge komme. Die schwedische EU-Abgeordnete Malin Björk hatte sich an der kroatischen Grenze selbst ein Bild davon verschafft und vergeblich versucht eine eindeutige Reaktion der EU-Kommission zu erreichen.<br />
Auch das Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen fordert nun eine unabhängige Kommission zur Prüfung der Vorwürfe.</p>
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		<title>Erntehelfer und Arbeitssklaven</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hanno Loewy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Mar 2021 16:16:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wanderarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsinteressen]]></category>
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					<description><![CDATA[Europäisches Tagebuch, 25.3.2021: Vor einigen Wochen hat Portugal im Zuge seiner Ratspräsidentschaft den Versuch unternommen, die soziale Situation, die Arbeitsbedingungen, die Entlohnung und den legalen Status von Erntehelfern in der EU zu verbessern. Zahlreiche EU-Staaten haben sich der Forderung angeschlossen, Agrarförderungen. von der Einhaltung von Standards abhängig zu machen. Auch im EU-Parlament engagieren sich immer mehr [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Europäisches Tagebuch, 25.3.2021:</strong> Vor einigen Wochen hat Portugal im Zuge seiner Ratspräsidentschaft den Versuch unternommen, die soziale Situation, die Arbeitsbedingungen, die Entlohnung und den legalen Status von Erntehelfern in der EU zu verbessern. Zahlreiche EU-Staaten haben sich der Forderung angeschlossen, Agrarförderungen. von der Einhaltung von Standards abhängig zu machen. Auch im EU-Parlament engagieren sich immer mehr Abgeordnete in dieser Frage.</p>
<p>Schließlich arbeiten die häufig illegal oder weit unter Kollektivverträgen oder Mindestlöhnen Beschäftigten unter zum Teil unerträglichen Verhältnissen, bis zu 12, ja manchmal 17 Stunden am Tag, untergebracht in menschenunwürdigen Behausungen. Dies gilt nicht zuletzt für die großen Agrarproduzenten Europas, Spanien und Italien. Aber auch für Länder wie Österreich.<br />
Portugal hat vorgeschlagen, die EU-Agrarförderungen (immerhin ein Drittel des EU-Budgets) davon abhängig zu machen, dass Landwirte und Lebensmittelkonzerne endlich menschenwürdige Arbeitsbedingungen schaffen und soziale Rechte respektieren. Im Europäischen Rat haben 12 Länder jedoch Portugals Vorschläge abgelehnt, nicht zuletzt die österreichische Landwirtschaftsministerin Köstinger, die stattdessen eine „Informationskampagne“ starten will. Nun bringt sie auch eine „Evaluierung“ ins Spiel. Alles soll dazu dienen, offenbar Zeit zu gewinnen. Wofür auch immer. Interessanterweise sind es weder Italien noch Spanien, die den portugiesischen Vorschlag blockieren, sondern neben Österreich auch Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Tschechien, Finnland, Griechenland, Ungarn, Malta, Rumänien, Lettland und die Slowakei. Der österreichische EU-Abgeordnete Thomas Waitz (Grüne) spricht von „sklavenartigen Verhältnisse und erklärt, es könne nicht sein, „dass man weiter öffentliches Geld bekommt, obwohl man Arbeitsrechte untergräbt.“ Waitz geht davon aus, dass eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse auch einen faireren Wettbewerb innerhalb der EU zulassen würde. Eine Einigung ist wohl noch in weiter Ferne. Schließlich gibt es wirtschaftliche Interessen daran, dass EU-Agrarprodukte auch auf dem Weltmarkt „konkurrenzfähig“ bleiben. Aber das geht zusehends auf Kosten derjenigen, die dafür schuften müssen.</p>
<p>Heute Abend spricht der österreichische Migrationsexperte <strong>Rainer Münz</strong> im Jüdischen Museum Hohenems über <strong>Wanderarbeit und Migration in Europa &#8211; vor, während und nach der Covid-Krise</strong>. Hier die Aufzeichnung des Abends.<br />
<iframe loading="lazy" title="Migration und Wanderarbeit in Europa – vor, während und nach der CoVid-Krise" width="1008" height="567" src="https://www.youtube.com/embed/7_rkcFGSH6o?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p><strong>Rückblick, 25.3.2020:</strong> Ausländische Erntehelfer fehlen in Österreich. Laut dem Branchenverband Obst und Gemüse mangelt es bereits an 2500 Helfern. Im Mai könnten es 5000 sein. Die meisten Erntehelfer kommen aus Rumänien und anderen osteuropäischen Staaten und können derzeit weder aus- noch einreisen. Auch in der Fleischproduktion und -verarbeitung fehlen hunderte von Arbeitskräften.</p>
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		<title>&#8220;Alles unter Kontrolle&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hanno Loewy]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Jan 2021 14:33:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[Europäisches Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Tagebuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Europäisches Tagebuch, 31.1.2021: Der österreichische Bundesinnenminister hat sich auf den absoluten Nullpunkt hinab begeben, zum Kältepol. Minus 274 Grad Celsius, oder 0 Grad Kelvin. Im Österreichischen Fernsehen erklärt er einer fassungslosen Lou Lorenz-Dittlbacher, was er unter Betroffenheit versteht. Auf ihre Frage, wie er als Vater zu den jüngsten gewaltsamen Abschiebungen von in Österreich geborenen und aufgewachsenen, bestens [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Europäisches Tagebuch, 31.1.2021: </strong>Der österreichische Bundesinnenminister hat sich auf den absoluten Nullpunkt hinab begeben, zum Kältepol. Minus 274 Grad Celsius, oder 0 Grad Kelvin. Im Österreichischen Fernsehen erklärt er einer fassungslosen Lou Lorenz-Dittlbacher, was er unter Betroffenheit versteht. Auf ihre Frage, wie er als Vater zu den jüngsten gewaltsamen Abschiebungen von in Österreich geborenen und aufgewachsenen, bestens integrierten Kindern nach Georgien und Albanien steht, bringt er es fertig zu sagen, er sei auch betroffen, wie Eltern ihren Kindern das antun können.<br />
Wie Eltern es also ihren Kindern antun können, alles zu versuchen, damit sie einmal ein besseres Leben haben? Wie Eltern es ihren Kindern antun können, sie ausgerechnet in Österreich groß zu ziehen? Wie Eltern es ihren Kindern antun können,  sie Deutsch zu lehren und darauf zu hoffen, dass sie hier ihren Weg finden können?</p>
<p>Er meint natürlich folgendes: Diese Eltern drohen ihm, dem starken Mann, mit Kontrollverlust. Sie drohen ihm damit, dass ihre Kinder ihnen wichtiger sind, als ein österreichisches Asylrecht, dass schon seit vielen Jahren scheibchenweise demontiert wurde. Und wichtiger als ein österreichisches Fremdenrecht, dass nur noch Abwehr kennt und kaum noch Chancen auf legale Einwanderung. Dagegen muss jedes Mittel Recht sein. Auch der Rechtsbruch.</p>
<p>Denn welche Logik &#8211; außer einer totalitären &#8211; erlaubt es einem Staat, ein Kind dafür zu bestrafen, dass dessen Eltern Vorschriften verletzt, bzw. umgangen haben? Oder genauer: Kinder zu quälen, um deren Eltern zu bestrafen? Welche Logik erlaubt es einem Staat, das Leben eines Kindes zu ruinieren, mit dem Argument, dessen Eltern hätten diesem Kind widerrechtlich ein besseres Leben bereiten wollen?</p>
<p>Innenminister Nehammer hat &#8211; auch auf mehrmaliges Nachfragen hin &#8211; darauf verzichtet, Lou Lorenz-Dittlbacher seine Logik zu erklären. Er hat nur immer wieder seinen widersinnigen Satz wiederholt. Die Mutter von Tina sei schuld.<br />
Schuld daran, dass man das zwölfjährige Mädchen in ein Land verschleppt, dass sie nicht kennt und dessen Sprache sie nicht schreiben oder lesen kann. Und ihre Mutter ist wohl auch schuld daran, dass man Tinas Mitschülerinnen und Mitschüler gewaltsam mit der für Terrorismusbekämpfung zuständigen Polizeibrigade vom Schauplatz des Geschehen fortschleifen musste. Den jungen Leuten musste man einmal eine Lektion erteilen, in was für einem Land sie gerade leben. In Corona-Zeiten ganz besonders.</p>
<p><strong>Europäisches Tagebuch, 31.1.2020:</strong> Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärt Corona zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite. Mit Kritik an der intransparenten Informationspolitik Chinas hält sich die WHO zurück.<br />
Donald Trump hat sich inzwischen mehrmals zu der neuen Epidemie in China geäußert. Heute verhängt die USA einen Einreisestopp gegen Reisende aus China. US-Präsident Trump erklärt: „Wir haben das, was aus China kommt, so ziemlich ausgeschaltet.“ Vor wenigen Tagen hat Trump getwittert: „China hat sehr hart daran gearbeitet das Virus zu kontrollieren. Die Vereinigten Staaten begrüßen ihre Bemühungen und ihre Transparenz sehr. Es wird alles gut ausgehen.”</p>
<p>Vor vier Tagen hat die Münchner Ärztin Camilla Rothe den ersten deutschen Covid-19 Fall entdeckt. Das Testergebnis ihres Patienten, eines Geschäftsmanns, Mitarbeiter eines Autoteilezulieferers, ist unzweifelhaft positiv. Ein Tag später waren schon drei weitere Mitarbeiter positiv auf Civod-19 getestet. Die einzig denkbare Möglichkeit sich angesteckt zu haben scheint der Kontakt zu einer chinesischen Kollegin, die zwei Tage zu Meetings zu Besuch war, aber keinerlei Symptome gezeigt hatte. Heute, nach ihrer Rückkehr nach China, fühlt sie sich krank und wird ebenfalls positiv getestet. Dr. Rothe und ihr Kollege Michael Hölscher schlagen Alarm und veröffentlichen einen kurzen Bericht im <em>New England Journal of Medicine</em>. Offenkundig verhält sich der neue Virus nicht so, wie sein naher Verwandter SARS. Er ist schon vor dem Auftreten erster Symptome hochgradig ansteckend. Rothe warnt Fachkollegen vor dem dadurch deutlich höheren Ansteckungsrisiko. Auch Kollegen vom Robert Koch Institut und den bayerischen Gesundheitsbehörden reichen einen Artikel bei <em>The Lancet</em> ein, einer weiteren medizinischen Fachzeitschrift, in dem sie zu ähnlichen Schlüssen gelangen. Die Ansteckungsgefahr bestünde ihnen zufolge schon dann, wenn die Symptome noch so mild seien, dass sie nicht bemerkt würden.</p>
<p>Die EU aktiviert indessen das Katastrophenschutzverfahren für die Rückholung von EU-Bürgern aus China. Weniger erfolgreich ist die EU damit, die Mitgliedsländer vom Ernst der Berdrohung auch in Europa zu überzeugen.</p>
<p>Die EU-Kommission bietet den Mitgliedstaaten an, sie bei der Beschaffung von Schutzmasken, Testkits und Beatmungsgeräten zu unterstützen. Die Vertreter der europäischen Regierungen lehnen dies als Einmischung in die nationale Gesundheitspolitik ab. „Alles unter Kontrolle&#8221;, notiert ein Beamter die Aussagen der nationalen Delegierten in einer vertraulichen Sitzung in den Protokollen, die später von der Nachrichtenagentur Reuters ausgewertet wurden, &#8220;die Mitgliedsstaaten seien auf hohem Niveau vorbereitet, die meisten hätten Maßnahmen gesetzt&#8221;. (Quelle: Der Standard, 3.4.2020)</p>
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		<title>Das österreichische Weihnachtswunder</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hanno Loewy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2021 08:29:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Tagebuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Europäisches Tagebuch, 20.1.2021: Pünktlich zu Weihnachten hat Österreichs Minister für Heimatschutz das Weihnachtswunder verkündet. „Hilfe für Ort“ zumindest für Kinder soll es im neuen Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos geben: eine Tagesbetreuung, organisiert vom SOS-Kinderdorf. Abends sollen die Kinder dann wieder zurück in ihre unbeheizten Zelte, wo sie auf dem gefrorenen Boden zwischen den Ratten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Europäisches Tagebuch, 20.1.2021:</strong> Pünktlich zu Weihnachten hat Österreichs Minister für Heimatschutz das Weihnachtswunder verkündet. „Hilfe für Ort“ zumindest für Kinder soll es im neuen Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos geben: eine Tagesbetreuung, organisiert vom SOS-Kinderdorf. Abends sollen die Kinder dann wieder zurück in ihre unbeheizten Zelte, wo sie auf dem gefrorenen Boden zwischen den Ratten schlafen dürfen.<br />
Aber so ein Weihnachtswunder braucht Zeit. Zwar wurde an „Heilig Abend“ von den griechischen Behörden grundsätzlich die Genehmigung erteilt. Aber bislang dürfen die Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf noch nicht einmal zu einer Vorbesichtigung des Lagers kommen. Entweder ist das Wetter zu schlecht, oder auf Lesbos gerade Corona ausgebrochen, oder der Flughafen gesperrt. Irgendwie passt es immer gerade nicht. Wahrscheinlich sieht es im Lager auch im Moment nicht so schön aus. Für die werten Gäste aus Österreich will man doch vorher aufräumen. Aber wie soll das gerade gehen?</p>
<p>Und überhaupt, ist nicht in elf Monaten schon wieder Weihnachten?</p>
<p>Elisabeth Hauser, Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf versucht noch immer die Fassung zu bewahren. Das generöse Angebot der österreichischen Bundesregierung verlangt ihr einen schmerzhaften Spagat ab. Und inzwischen spricht sie doch Klartext. Lieber würde man die Kinder in Österreich betreuen. Denn was in Griechenland mit ihnen passiert widerspräche allen Kinderrechten. Die Zustände seien verheerend.</p>
<p>Diese Zustände sind kein Naturereignis, sondern Verbrechen. Von Menschen gemacht, deren Namen wir kennen.</p>
<p>Irgendwann ist Corona vorbei. Und spätestens dann wird darüber zu reden sein.</p>
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		<title>Olaf gegen Frontex</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hanno Loewy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jan 2021 16:17:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europäisches Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Tagebuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Europäisches Tagebuch, 13.1.2021: Die Nachricht ist eingeschlagen. Die EU-Behörde für Betrugsbekämpfung (Olaf) ermittelt gegen die EU-Grenzschutzagentur Frontex. Seit vielen Monaten treten kroatische Grenzbeamte EU-Recht mit Füßen und treiben Flüchtlinge an der EU-Außengrenze gewaltsam zurück nach Bosnien. Sie tun dies mit dem Beifall einiger Regierungen in Europa. Ungarn und Österreich sind ganz vorne dabei, wenn es [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Europäisches Tagebuch, 13.1.2021: Die Nachricht ist eingeschlagen. Die EU-Behörde für Betrugsbekämpfung (Olaf) ermittelt gegen die EU-Grenzschutzagentur Frontex.</p>
<p>Seit vielen Monaten treten kroatische Grenzbeamte EU-Recht mit Füßen und treiben Flüchtlinge an der EU-Außengrenze gewaltsam zurück nach Bosnien. Sie tun dies mit dem Beifall einiger Regierungen in Europa. Ungarn und Österreich sind ganz vorne dabei, wenn es darum geht, diesen offenen Rechtsbruch zu vertuschen oder gut zu heißen, wenn es mit dem Vertuschen angesichts der vielen Bewiese nicht mehr funktioniert. Schließlich sind auch österreichische Grenzbeamte nicht zimperlich, wenn es darum geht an der slowenischen Grenze einfach mal die Ohren zu zuhalten, wenn Flüchtlinge um Asyl bitten – und sie stattdessen gewaltsam nach Slowenien zurückzustoßen, von wo sie an die Kroaten abgeschoben werden, die sie dann wiederum an der bosnischen Grenze abladen. Dafür zahlt die EU dann Bosnien Geld dafür, sich um diese illegal abgeschobenen Flüchtlinge zu kümmern. In Bosnien landet dieses Geld in unsichtbaren Kanälen – aber ganz offenkundig nicht in der Flüchtlingsbetreuung. So durften hunderte von Flüchtlingen das Ende des Jahres bei klirrender Kälte im Freien verbringen, weil das improvisierte Zeltlager Lipa noch immer kein Strom, kein Wasser und keine Heizung hatte und darum von der Internationalen Organisation für Migration aufgelöst wurde. Seitdem ist nicht viel passiert. Außer das, was jetzt „Hilfe vor Ort“ heißt: ein paar neue, unbeheizte Zelte, ohne Wasser und ohne Strom. 2000 Flüchtlinge hausen nun zum großen Teil unter Plastikplanen im Wald. Bei Minustemperaturen. Viele der Fälle sind gut dokumentiert.<br />
Bis heute traut sich der Europäische Menschenrechtsgerichtshof an diesen andauernden Rechtsbruch von EU-Mitgliedsstaaten und Anwärtern nicht heran. Doch immerhin ist nun die von der EU selbst betriebene Grenzschutzagentur Frontex Gegenstand von Untersuchungen. Lange Zeit setzten Länder wie Ungarn, Polen und Österreich große Hoffnungen in Frontex. Dann realisierten Orban und Kurz, dass sich auch Frontex an Gesetze halten muss. Und Frontex fiel in Ungnade.<br />
Doch Frontex Direktor Fabrice Leggeri wollte 2020 offenbar seinen Ruf in Budapest, Warschau und Wien retten. So ist Frontex inzwischen, wie seit Monaten bekannt, im östlichen Mittelmeer an illegalen Zurückweisungen vor der griechischen Küste beteiligt. Und in der Behörde scheint auch sonst so einiges unrund zu laufen, von Einschüchterungen von Mitarbeitern die Bedenken haben, bis zu Unregelmäßigkeiten bei Ausschreibungen. Ob die nun laufenden Ermittlungen Konsequenzen haben werden, bleibt abzuwarten.</p>
<p>https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ermittlungen-gegen-eu-grenzschutzbehoerde-frontex-17142763.html</p>
<p>https://www.tagesschau.de/ausland/lipa-lager-bosnien-101.html</p>
<p>https://www.derstandard.at/story/2000121752241/berichte-ueber-illegale-pushbacks-von-migranten-an-oesterreichischer-grenze</p>
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		<title>„Wir sind die neuen Juden“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hanno Loewy]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 04 Dec 2020 15:07:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Holocaust]]></category>
		<category><![CDATA[Judentum/Christentum/Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Tagebuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Europäisches Tagebuch, 4.12.2020: Eine der führenden Gestalten und engsten Vertrauten, mit denen Viktor Orban seit Jahren ungarische Kulturschaffende und Institutionen auf Linie bringt, ist Szilard Demeter, der Leiter des Petöfi-Literaturmuseums in Budapest – und Angehöriger zahlreicher Gremien, in denen über die Vergabe von Förderungen an den Literaturbetrieb und die Musikbranche entschieden wird. Bekannt wurde Szilard [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Europäisches Tagebuch, 4.12.2020:</strong> Eine der führenden Gestalten und engsten Vertrauten, mit denen Viktor Orban seit Jahren ungarische Kulturschaffende und Institutionen auf Linie bringt, ist Szilard Demeter, der Leiter des Petöfi-Literaturmuseums in Budapest – und Angehöriger zahlreicher Gremien, in denen über die Vergabe von Förderungen an den Literaturbetrieb und die Musikbranche entschieden wird. Bekannt wurde Szilard nicht für seine, eher mäßig erfolgreichen, literarischen und musikalischen Versuche, sondern durch markige rechte Sprüche und Gewaltdrohungen. Nun hat er auch für Orbans beste Freunde, die israelische Regierung, ein wenig den Bogen überspannt.</p>
<p>George Soros, der ungarische Holocaust Überlebende und frühere Investmentbanker, der seit Jahren das beliebteste Ziel von antisemitischen Kampagnen der ungarischen Regierung darstellt, habe, so Szilard in einem Kommentar des Internetportals <em>origo.hu</em> am letzten Samstag, Europa zu seiner „Gaskammer“ gemacht. „Aus den Fässern der multi-kulturellen offenen Gesellschaft entströmt das Giftgas, das für die europäische Lebensform tödlich ist“. Der liberale „Führer“ und seine „Liber-Arier“ wolle die christliche und nationale Identität der europäischen Völker auslöschen. „Wir sind die neuen Juden“, schreibt Demeter und meint Polen und Ungarn, und den drohenden Beschluss der Europäischen Union, zukünftig Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit zu ahnden, was Polen und Ungarn mit der Blockade des gesamten EU-Haushaltes verhindern wollen.<br />
Demeter, der sich selbst als „fanatischer Orbanist“ bezeichnet, ist nach heftigen Protesten der jüdischen Gemeinde in Ungarn, zahlreicher Organisationen und ja, sogar der israelischen Botschaft, halbherzig zurückgerudert. Von einem Rücktritt oder einer Entlassung ist freilich nicht die Rede. Dass Soros Europa angeblich mit Muslimen „überfluten“ wolle, ist schließlich der Kern von Orbans täglicher Propaganda, bei der er von engen Vertrauten des israelischen Regierungschefs Netanjahu beraten wird. Dass Szilard sich hier ein wenig bei den Textbausteinen vergriffen hat, wird seine Karriere in Ungarn nicht wirklich behindern.</p>
<p>„Wir sind die neuen Juden“, hat sich mit diesen Worten nicht auch der Vorsitzende einer österreichischen Rechtspartei 2012 darüber beschwert, auf dem Weg zum Ball der Burschenschaftler beschimpft worden zu sein. „Wie die Reichskristallnacht sei das gewesen“. Nur fünf Jahre später war der Mann Vizekanzler. Szilard Demeter muss eine glänzende Karriere bevorstehen. Na ja, zumindest eine zeitlang.</p>
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		<title>Georg Kreisler: Ich fühl mich nicht zuhause</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hanno Loewy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Nov 2020 20:21:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Identitäten]]></category>
		<category><![CDATA[Jüdische Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Letzte Europäer]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Tagebuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Europäisches Tagebuch, 22.11.2020: Heute vor neun Jahren starb in Salzburg Georg Kreisler, der jüdische Anarchist, absurde Dichter und Sänger am Klavier. 1938 war Kreisler, 1922 in Wien geboren, mit seinen Eltern in die USA geflohen, wurde 1943 US-amerikanischer Staatsbürger, unterhielt amerikanische Soldaten in England musikalisch und begann eine kurvenreiche Karriere als Alleinunterhalter. Wenn alles stimmt, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Europäisches Tagebuch, 22.11.2020:</strong> Heute vor neun Jahren starb in Salzburg Georg Kreisler, der jüdische Anarchist, absurde Dichter und Sänger am Klavier. 1938 war Kreisler, 1922 in Wien geboren, mit seinen Eltern in die USA geflohen, wurde 1943 US-amerikanischer Staatsbürger, unterhielt amerikanische Soldaten in England musikalisch und begann eine kurvenreiche Karriere als Alleinunterhalter.</p>
<p>Wenn alles stimmt, was man so über ihn erzählt, oder er selber über sich erzählte, dann verhörte er nach dem Krieg Julius Streicher und Hermann Göring in Nürnberg, ließ sich in Hollywood von Charlie Chaplin die Melodie des Films „Monsieur Verdoux“ vorpfeifen um sie seinerseits Hanns Eisler vorzupfeifen, und spielte angeblich Klavier, wenn man Chaplin am Klavier sah. Aber man verstand Kreisler wohl gründlich falsch, wenn man ihm alles glaubte, was er sagte.</p>
<p>Ob es stimmt, dass seine Lieder den Amerikanern zu makaber waren? 1950 jedenfalls bekam er das Angebot in der New Yorker <em>Monkey Bar</em> regelmäßig aufzutreten. In seiner New Yorker Zeit muss er auch seinen frechen, und durchaus makabres liebenden Alleinunterhalterkollegen Tom Lehrer gehört haben, der mit Songs wie „Let’s poison pigeons in the Park“ durchaus die Grenzen der amerikanischen Bereitschaft auslotete, sich auf makabre Kulturkritik einzulassen.</p>
<p>Zurück in Wien, wo Kreisler sich 1956 wieder niederließ, trat er bald in der legendären <em>Marietta Bar</em> auf, zusammen mit Gerhard Bronner, Peter Wehle und Helmut Qualtinger – und wurde unter anderem mit „seinem“ Lied „Tauben vergiften im Park“ berühmt und berüchtigt. Doch zu seiner Ehre sei gesagt, die meisten wunderbaren Lieder aus dieser Zeit und den Jahren die nun kamen, waren durchaus von ihm selbst, eines böser und giftiger als das andere. 1958 zog er mit seiner, inzwischen dritten, Ehefrau Topsy Küppers nach München, 1972 folgte ein nach wenigen Monaten sang und klanglos beendeter Versuch, nach Israel zu gehen. Stattdessen ging es nun nach Berlin, wo er bei den <em>Wühlmäusen</em> und den <em>Stachelschweinen</em> auftrat. 1988 zog er in die Nähe von Salzburg und 1992 nach Basel. Von 2007 bis zu seinem Tod lebte er schließlich wieder in Salzburg, unbestechlich die Zeitläufte kommentierend, wie eh und je. Und natürlich – Geschichten erzählend über ein unglaubliches Leben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Eines seiner schönsten Lieder hat Kreisler 1966 auf seiner Schallplatte „Nichtarische Arien“ veröffentlicht: „Ich fühl mich nicht zuhause“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><iframe loading="lazy" title="Georg Kreisler-  Ich fühl mich nicht zu hause- &quot;Nichtarische&quot; Arien" width="1008" height="756" src="https://www.youtube.com/embed/YMMa1TGsQ_8?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und hier der Text:</p>
<p>Ich war bei meiner Schwester in Berlin<br />
Sie will ich soll auf immer zu ihr zieh&#8217;n<br />
Ihr Mann ist jetzt gestorben, a Schlemihl<br />
Und hat ihr hinterlassen viel zu viel<br />
Sie hat a Wohnung, da ist alles drin<br />
Sie kennt die allerbesten Leut&#8217; –<br />
Doch ich sprach: &#8220;Schwester, wenn ich ehrlich bin<br />
Mir macht das Leben hier ka Freud&#8217;</p>
<p>Ich fühl mich nicht zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Ich bin, soweit ich sehe<br />
Für dieses Leben zu primitiv<br />
Ich fühl mich nicht zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Verzeih mir, wenn ich gehe<br />
Ich schreib dir bald an Brief.&#8221;</p>
<p>Ich fuhr zu meinem Bruder nach New York<br />
Der lebt dort schon seit Jahren ohne Sorg&#8217;<br />
Sein Umsatz ist pro Anno a Million<br />
Und deshalb wollt er mich als Kompagnon<br />
Ja, den sein Business war so gut wie Gold<br />
Ich hätt&#8217;s auch gern mit ihm geführt<br />
Doch als ich endlich unterschreiben sollt<br />
Da hab ich plötzlich klar gespürt:</p>
<p>Ich fühl mich nicht zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Was gehen mich an die Yankees?<br />
Auch wenn ich dabei Geld verlier&#8217;<br />
Ich fühl mich nicht zu Hause<br />
Und deshalb<br />
Mein Bruder<br />
Auch wenn es ein Geschenk is<br />
Ich lass&#8217; das Business dir</p>
<p>Dann fuhr ich zu mein&#8217; Schwager, Mojsche Grün<br />
Der wohnt in Buenos Aires, Argentin<br />
Er hat a Hazienda, sitzt am Pferd<br />
Und pflanzt sich die Bananen in die Erd<br />
Und Señoritas gibt es schöne hier<br />
Ich hab mit vielen gleich frohlockt<br />
Doch als mein Schwager sagte: &#8220;Bleib bei mir!&#8221;<br />
Da hab ich traurig ihm gesogt:</p>
<p>&#8220;Ich fühl mich nicht zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Was solln mir Señoritas<br />
Und Sonnenschein und blaues Meer?<br />
Ich fühl mich nicht zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Und jeder Cowboy sieht, dass<br />
Ich hier nicht hingehör!&#8221;</p>
<p>Doch plötzlich wusst ich, wo ich hingehör<br />
Ich nahm das nächste Schiff zum Mittelmeer<br />
Und fuhr in großer Eile, sehr fidel<br />
In meine wahre Heimat Israel –<br />
Doch das war leider überhaupt nicht schlau<br />
Hier gibt mir niemand an Kredit<br />
Und was versteh denn ich vom Ackerbau?<br />
Und alle reden nur Ivrith</p>
<p>Ich fühl mich nicht zu Hause&#8217;<br />
Zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Ich spür&#8217;s in allen Poren<br />
Auch wenn ich hier zu Hause bin<br />
Ich fühl mich nicht zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Ich hab hier nichts verloren<br />
Und wo soll ich denn hin?</p>
<p>So kam ich voller Unglück und voll Glück<br />
In mein geliebtes Stätel hier zurück<br />
Der Umgang ist mit mir zwar sehr verpönt<br />
Man hat sich an mein Wegsein schon gewöhnt<br />
Jetzt heißt es, tiefgeduckt und mißgetraut!<br />
Und wer nicht mitmacht, der macht mit<br />
Jetzt werd&#8217; ich von der Seite angeschaut<br />
Und krieg symbolisch einen Tritt</p>
<p>Jetzt fühl ich mich zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Im Ausland nur zu sitzen<br />
War auf die Dauer ungesund<br />
Denn hier bin ich zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Zu Hause<br />
Hier kann man mich benützen –<br />
Und hier geh ich zu Grund</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gerald Knaus: &#8220;Welche Grenzen brauchen wir? Zwischen Empathie und Angst &#8211; Flucht, Migration und die Zukunft von Asyl&#8221;</title>
		<link>https://www.lasteuropeans.eu/gerald-knaus-welche-grenzen-brauchen-wir-zwischen-empathie-und-angst-flucht-migration-und-die-zukunft-von-asyl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hanno Loewy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Nov 2020 10:05:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europäisches Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Tagebuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Europäisches Tagebuch, 25.11.2020: Gestern war Gerald Knaus, einer der wichtigsten europäischen Migrationsexperten, bei uns zu Gast. Und sprach über die Mythen und Realitäten der aufgeheizten Kontroverse über Flüchtlinge und Migranten, die versuchen in Europa ein neues Leben zu beginnen. Sein Vortrag und die angeregte Diskussion, die ihm folgte, ist hier nun als Aufzeichnung zu sehen. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Europäisches Tagebuch, 25.11.2020:</strong> Gestern war Gerald Knaus, einer der wichtigsten europäischen Migrationsexperten, bei uns zu Gast. Und sprach über die Mythen und Realitäten der aufgeheizten Kontroverse über Flüchtlinge und Migranten, die versuchen in Europa ein neues Leben zu beginnen. Sein Vortrag und die angeregte Diskussion, die ihm folgte, ist hier nun als Aufzeichnung zu sehen. Wir würden uns freuen, wenn sein Beitrag Gehör finden würde. Argumentationshilfen für humane Grenzen, an denen Menschenrechte und das Bedürfnis nach Sicherheit nicht gegeneinander ausgespielt werden.<br />
Sein Buch <em>Welche Grenzen brauchen wir?</em> ist gerade im Piper Verlag erschienen und höchst lesenswert!</p>
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<p>&nbsp;</p>
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