Diana Pinto: “A Jewish Space Called Europe”?

Online-Vortrag und Gespräch mit Dr. Diana Pinto, Paris (auf Englisch)

Mitte der 1990er Jahre prägte Diana Pinto den Begriff „Jewish Space“, um eine der Besonderheiten der jüdischen Präsenz/Abwesenheit, der fortwährenden Kreativität und der Erinnerung in einem sich gerade rapide entwickelnden europäischen Umfeld zu definieren. Nach dem Fall der Berliner Mauer erlaubte ein neuer Hauch von demokratischem Pluralismus den Juden auf dem ganzen Kontinent, sich weit über ihre offiziellen jüdischen Vertretungsinstitutionen hinaus zu definieren. „Jüdische Räume“ entstanden dort, wo sich jüdische Themen, Ideen und Kreativität, Leben, Traditionen und Geschichte mit der Gesellschaft überschnitten, in einem diasporischen Umfeld, in dem – anders als in Israel oder den Vereinigten Staaten – auch Nichtjuden integrale Akteure dieser Räume waren. Zugleich sind in den vergangenen dreißig Jahren die Zweifel an einer jüdischen Zukunft in den ehemaligen Ländern des Holocaust nie verflogen. Sie haben sich mit der Rückkehr des Antisemitismus und der viel publik gemachten Abwanderung vieler Juden (vor allem in Frankreich) nach Israel sogar noch verstärkt. Für viele war Europa einst ein Kontinent des jüdischen Lebens, ist es aber nicht mehr. Diana Pinto kontert diese Interpretation, indem sie erklärt, warum sich die „jüdischen Räume“ in ganz Europa weiter ausdehnen. Die symbolische Bedeutung dieser „jüdischen Räume“ hat – angesichts des wachsenden Populismus und des rechten Revisionismus, der die gesamte westliche Welt (einschließlich Israel und der USA) infiziert hat – eine neue Bedeutung erlangt. Im Kampf zwischen liberaler Demokratie und illiberalem Populismus spielen solche Räume eine immer wichtigere Rolle bei der Verankerung pluralistischer Reflexe und universeller Werte auf dem ganzen Kontinent.

Diana Pinto lebt und arbeitet in Paris als Schriftstellerin und intellektuelle Historikerin. Sie ist Italienerin, Französin und Amerikanerin und studierte an der Harvard Universität (B.A. und Ph.D.). In den 1990er Jahren war sie Chefredakteurin von Belvédère, einer französischen paneuropäischen Zeitschrift, und anschließend Beraterin des Politischen Direktoriums des Europarates für dessen zivilgesellschaftliche Programme in Osteuropa und Russland. Anschließend leitete sie als Senior Research Fellow am Institute for Jewish Policy Research, London, das Ford Foundation’s Voices for the Res Publica-Programm. Sie hat vielfältig über europäische und jüdische Themen geschrieben. Ihre letzte Buchveröffentlichung als Autorin war Israel has Moved (dt. Ausgabe: Israel ist umgezogen, 2013).

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