Moritz Julius Bonn – von Hohenems in die Krisen der europäischen Demokratie

Online-Vortrag und Gespräch mit Dr. Jens Hacke (Hamburg) am 4. Mai 2021
Hier die Aufzeichnung des Vortrags:

In Hohenems habe er als Kind erstmals „zollfeindliche Luft geatmet“, so schrieb der bedeutende Nationalökonom, Kritiker des Kolonialismus und Kämpfer für eine plurale Demokratie in seiner Autobiographie „So macht man Geschichte“. In der Sommerfrische im Haus seines Großvaters Marco Brunner im Hohenemser Judenviertel lernte der geborene Frankfurter auch einen antiautoritären Umgang mit Grenzen kennen. Bonn war ein herausragender liberaler Intellektueller, der Kosmopolitismus, pragmatische Vernunft und Gerechtigkeitssinn verkörperte. 1933 verjagten ihn die Nazis aus Berlin ins Exil nach England, von wo er in den 1950er Jahren den Verkauf des Brunner Hauses in Hohenems organisierte.

Jens Hacke, Politikwissenschaftler und Autor, hat über Philosophie der Bürgerlichkeit promoviert und beschäftigt sich – so wie schon vormals Moritz Julius Bonn – mit der Existenzkrise der Demokratie und des Liberalismus im 20. Jahrhundert. Er hat, als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung und in verschiedenen Gastprofessuren entscheidend zur Wiederentdeckung Bonns beigetragen.

René Möhrle: Triester Juden im Faschismus – und unter deutscher Besatzung

Online-Vortrag und Gespräch mit Dr. René Moehrle (Trier)
Hier der link zur Aufzeichnung der Veranstaltung:

Das Triester Judentum war seit dem 13. Jahrhundert fester Bestandteil der nordadriatischen Hafenstadt. Doch Judenfeindschaft gehörte in den über 500 Jahren Habsburgerherrschaft immer wieder zum Alltag.
In Italien, dem Triest nach dem Ersten Weltkrieg zufiel, waren Juden emanzipiert. In Triest hatten sie, wie das Beispiel der Familie Brunner zeigt, auch im Faschismus hohe wirtschaftliche Positionen inne, machten aber auch als Funktionäre faschistischer Organisationen politische Karriere. Dennoch avancierte die Stadt mit der drittgrößten jüdischen Gemeinde Italiens zum Versuchslabor eines staatlichen Antisemitismus, den Mussolini 1938 offiziell von Triest aus ankündigte. Damit begann auch in Italien die Verdrängung von Juden aus Politik und Wirtschaft. Mit der deutschen Besetzung Italiens verschärfte sich die Situation auch der italienischen Juden dramatisch. Friedrich Rainer regierte von 1943 bis Kriegsende als Oberster Kommissar die „Operationszone Adriatisches Küstenland“, deren Hauptstadt Triest war. Hier errichtete Odilo Globocnik in einer ehemaligen Reismühle das Konzentrationslager Risiera di San Sabba, das einzige KZ der südlichen Hemisphäre, das mit einem Krematorium betrieben wurde, um überwiegend ermordete Partisanen und Geiseln aber auch Juden und Regimegegner zu beseitigen.

René Moehrle ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Trier, wo er an seiner Habilitation zu deutschen Journalisten arbeitet, die im Nationalsozialismus eine erste Karriere erlebten und nach 1945 Führungsrollen in den westdeutschen Leitmedien Süddeutsche Zeitung, Zeit, Spiegel, Welt, Stern und FAZ besetzten. Von 2016-2017 war er mit diesem Thema Fellow an der Martin Buber Society der Hebrew University in Jerusalem. Seine Dissertation erschien unter dem Titel Judenverfolgung in Triest während Faschismus und Nationalsozialismus 1922-1945 (2014).

Rainer Münz: Migration und Wanderarbeit in Europa – vor, während und nach der CoVid-Krise

Vortrag und Gespräch mit Prof. Dr. Rainer Münz, Wien 
Hier der link zur Aufzeichnung des Vortrags:

Längerfristige Arbeitsmigration hat in Europa genauso Tradition wie kurzfristige oder periodische Wanderarbeit. Bei der Arbeitsmigration dominierte allerdings bis in die 1950er Jahre die Auswanderung nach Übersee. Wanderarbeit fand hingegen kleinräumiger innerhalb Europas statt und wurde lange Zeit von den saisonalen Erfordernissen der Land- und Forstwirtschaft geprägt. Erst nach 1950 kam es zuerst im Nordwesten und später auch im Süden Europas zur Einwanderung von Arbeitskräften: teils aus anderen Staaten Europas, teils auch aus anderen Weltregionen. Im letzten Jahrzehnt gab es zwar eine Wanderung von Arbeitskräften innerhalb der EU, aber nur wenig Rekrutierung von außerhalb. In der politischen Wahrnehmung – und in manchen Jahren auch quantitativ – dominierte der Zustrom von Flüchtlingen und Asylsuchenden. Während der CoVid-Krise und den seit März 2020 periodisch verfügten Grenzschließungen wurde zweierlei deutlich: Einerseits das Ausmaß, in dem Ökonomien und Gesellschaften Europas durch traditionelle und vor allem durch moderne Formen der Wanderarbeit miteinander verbunden sind; andererseits unter welchen oft prekären Bedingungen ein Teil der „Arbeitsnomaden“ ohne festen Wohnsitz am Arbeitsort leben und arbeiten müssen. Daran wird sich auch nach Ende der Krise wenig ändern. Zugleich ist angesichts hoher Arbeitslosigkeit absehbar, dass es in den kommenden Jahren weniger Bedarf an der Zuwanderung von Arbeitskräften geben wird. Das Interesse, in Europa Arbeit und Einkommen zu finden, wird hingegen kaum kleiner werden. Zu fragen ist, wie wir mit diesem Spannungsfeld umgehen wollen.

Rainer Münz ist ein international bekannter Migrations- und Sozialforscher. Von 2015 bis 2019 war er Berater von EU-Kommissionspräsident J.C Juncker. Zwischen 2005 und 2015 leitete er die Forschungsabteilung der Erste Bank. Davor war er als Hochschullehrer an mehreren Universitäten tätig. Seit 2020 unterrichtet er als Gastprofessor an der Central European University (Budapest-Wien) sowie an der Diplomatischen Akademie (Wien).

Diana Pinto: “A Jewish Space Called Europe”?

Online-Vortrag und Gespräch mit Dr. Diana Pinto, Paris (auf Englisch)

Mitte der 1990er Jahre prägte Diana Pinto den Begriff „Jewish Space“, um eine der Besonderheiten der jüdischen Präsenz/Abwesenheit, der fortwährenden Kreativität und der Erinnerung in einem sich gerade rapide entwickelnden europäischen Umfeld zu definieren. Nach dem Fall der Berliner Mauer erlaubte ein neuer Hauch von demokratischem Pluralismus den Juden auf dem ganzen Kontinent, sich weit über ihre offiziellen jüdischen Vertretungsinstitutionen hinaus zu definieren. „Jüdische Räume“ entstanden dort, wo sich jüdische Themen, Ideen und Kreativität, Leben, Traditionen und Geschichte mit der Gesellschaft überschnitten, in einem diasporischen Umfeld, in dem – anders als in Israel oder den Vereinigten Staaten – auch Nichtjuden integrale Akteure dieser Räume waren. Zugleich sind in den vergangenen dreißig Jahren die Zweifel an einer jüdischen Zukunft in den ehemaligen Ländern des Holocaust nie verflogen. Sie haben sich mit der Rückkehr des Antisemitismus und der viel publik gemachten Abwanderung vieler Juden (vor allem in Frankreich) nach Israel sogar noch verstärkt. Für viele war Europa einst ein Kontinent des jüdischen Lebens, ist es aber nicht mehr. Diana Pinto kontert diese Interpretation, indem sie erklärt, warum sich die „jüdischen Räume“ in ganz Europa weiter ausdehnen. Die symbolische Bedeutung dieser „jüdischen Räume“ hat – angesichts des wachsenden Populismus und des rechten Revisionismus, der die gesamte westliche Welt (einschließlich Israel und der USA) infiziert hat – eine neue Bedeutung erlangt. Im Kampf zwischen liberaler Demokratie und illiberalem Populismus spielen solche Räume eine immer wichtigere Rolle bei der Verankerung pluralistischer Reflexe und universeller Werte auf dem ganzen Kontinent.

Diana Pinto lebt und arbeitet in Paris als Schriftstellerin und intellektuelle Historikerin. Sie ist Italienerin, Französin und Amerikanerin und studierte an der Harvard Universität (B.A. und Ph.D.). In den 1990er Jahren war sie Chefredakteurin von Belvédère, einer französischen paneuropäischen Zeitschrift, und anschließend Beraterin des Politischen Direktoriums des Europarates für dessen zivilgesellschaftliche Programme in Osteuropa und Russland. Anschließend leitete sie als Senior Research Fellow am Institute for Jewish Policy Research, London, das Ford Foundation’s Voices for the Res Publica-Programm. Sie hat vielfältig über europäische und jüdische Themen geschrieben. Ihre letzte Buchveröffentlichung als Autorin war Israel has Moved (dt. Ausgabe: Israel ist umgezogen, 2013).

Avraham Burg: Irgendwo zwischen Europa und Israel. Im Gespräch mit Hanno Loewy

Am 24. Februar hatten wir Avraham Burg zu Gast in einer gemeinsamen Online-Veranstaltung des Jüdischen Museums Hohenems und des Bruno Kreisky Forums für internationalen Dialog (Wien), in der Reihe Borders. Grenzen und Identitäten und im Programm zur Ausstellung Die letzten Europäer

Die Aufzeichnung der Veranstaltung (in englischer Sprache) findet sich hier:

Schon immer waren Konflikte um die Zukunft Europas damit verbunden, über die Rolle der europäischen Juden zu streiten. Ihre Emanzipation galt als Testfall der liberalen Hoffnungen des 19. Jahrhunderts, und ihr grenzüberschreitender Kosmopolitismus als Vorläufer europäischer Einigung – oder als Sündenbock für nationalistische Ideologien. Heute scheint der Staat Israel symbolisch an diese Stelle zu treten – freilich unter umgekehrten Vorzeichen, als Lieblingskind rechtspopulistischer und nationalistischer Politiker. Avraham Burg hat in seinem Leben schon viele Grenzen überschritten. Nach seiner politischen Karriere engagiert sich Avraham Burg publizistisch und in verschiedenen politischen Initiativen für einen ethnisch und religiös neutralen Staat seiner Bürgerinnen und Bürger, ein Staat der den Idealen der Europäischen Union folgen würde. Während diese Ideale im Europa der Gegenwart freilich zunehmend unter Druck geraten. In einem Interview mit der Zeitung Haaretz hat er unlängst erklärt, warum er nicht länger den Eintrag „Jüdisch“ als „Nationalität“ im israelischen Melderegister tragen will.

Avraham Burg, geboren 1955 in Jerusalem, israelischer Autor und ehemaliger hochrangiger Politiker. Sein in Dresden geborener Vater Josef Burg war Rabbiner, Führer der Nationalreligiösen und Minister in einundzwanzig israelischen Regierungen. Avraham Burg hingegen verband sein politisches Engagement mit der Bewegung Peace Now und der Arbeiterpartei. Zwischen 1995 und 1999 war er Vorsitzender der World Zionist Organisation, dann vier Jahre lang Präsident der Knesset, des israelischen Parlaments. 2004 verließ er die Politik, nachdem er öffentlich gefordert hatte, Israel müsse sich zwischen Demokratie und der Diskriminierung der arabischen Minderheit entscheiden. „The patriarch Abraham discovered God outside the boundaries of the Land of Israel, the tribes became a people outside the Land of Israel, the Torah was given outside the Land of Israel, and the Babylonian Talmud, which is more important than the Jerusalem Talmud, was written outside the Land of Israel, the past 2,000 years, which shaped the Judaism of this generation, happened outside Israel. The present Jewish people was not born in Israel.”

In Kooperation mit dem Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog (Wien)

 

 

Omri Boehm: Israel – eine Utopie

Omri Boehm Buch “Israel – eine Utopie” sorgt für lebendige Diskussionen und reiht sich ein in eine wachsende Zahl kritischer Stimmen, die nicht länger dem gescheiterten Phantom einer “Zweistaatenlösung” nachhängen, sondern neue Vorstellungen eines binationalen Staats entwickeln.
Hier der Mitschnitt unseres Zoom webinars mit ihm, das weitgehend in Englisch stattfand. (Eine gemeinsame Veranstaltung mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bodensee-Region)

Zwischen einem” jüdischen Staat” und einer liberalen Demokratie besteht, so Omri Boehm, ein eklatanter Widerspruch. Denn Jude (und damit vollwertiger israelischer Staatsbürger) ist nur, wer “jüdischer Abstammung“ ist – oder religiös konvertiert. In seinem großen Essay entwirft Boehm die Vision eines ethnisch neutralen Staates, der seinen nationalistischen Gründungsmythos überwindet und so endlich eine Zukunft hat.
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich Israel dramatisch verändert: Während der religiöse Zionismus immer mehr Zuspruch erfährt, fehlt es Linken wie Liberalen an überzeugenden Ideen und Konzepten. Die Zwei-Staaten-Lösung gilt weithin als gescheitert. Angesichts dieses Desasters plädiert Omri Boehm dafür, Israels Staatlichkeit neu zu denken: Nur die Gleichberechtigung aller Bürger kann den Konflikt zwischen Juden und Arabern beenden. Aus dem jüdischen Staat und seinen besetzten Gebieten muss eine föderale, binationale Republik werden. Eine solche Politik ist nicht antizionistisch, sondern im Gegenteil: Sie legt den Grundstein für einen modernen und liberalen Zionismus.

Omri Boehm, geboren 1979 in Haifa, studierte in Tel Aviv und diente beim israelischen Geheimdienst Shin Bet. In Yale promovierte er über “Kants Kritik an Spinoza”, heute lehrt er als Professor für Philosophie an der New School for Social Research in New York. Er ist israelischer und deutscher Staatsbürger, hat u.a. in München und Berlin geforscht und schreibt über israelische Politik in Haaretz, Die Zeit und The New York Times.

Das Buch
Omri Boehm: Israel – eine Utopie
Propyläen Verlag, Berlin 2020, Gebunden, 256 Seiten,
€ 20,60, ISBN 978-3-549-10007-3

Avraham Burg: Über Stefan Zweigs “Welt von gestern” und unsere Welt von heute

Am 28.11.2020 feierte das Willy Brandt Center in Jerusalem mit uns und anderen Partnern gemeinsam den Geburtstag von Stefan Zweig. Avraham Burg schilderte seine persönlichen Reflexionen beim wiederholten Lesen von Stefan Zweigs Autobiografie Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, von einer education sentimentale bis zum Blick in die Gegenwart. Danke an das Willy Brandt Center Jerusalem für die Erlaubnis, Avraham Burgs Überlegungen hier zu teilen.

Gerald Knaus: Welche Grenzen brauchen wir? Zwischen Empathie und Angst – Flucht, Migration und die Zukunft von Asyl

Gerald Knaus, einer der wichtigsten europäischen Migrationsexperten, war am 24. November 2020 bei uns im Zoom zu Gast. Und sprach über die Mythen und Realitäten der aufgeheizten Kontroverse – über Flüchtlinge und Migranten, die versuchen in Europa ein neues Leben zu beginnen. Sein Vortrag und die angeregte Diskussion, die ihm folgte, ist hier nun als Aufzeichnung zu sehen. Argumentationshilfen für humane Grenzen, an denen Menschenrechte und das Bedürfnis nach Sicherheit nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Sein Buch Welche Grenzen brauchen wir? ist gerade im Piper Verlag erschienen und höchst lesenswert!

 

Gerald Knaus: Welche Grenzen brauchen wir?

Die Blockade Österreichs und anderer EU-Staaten, die dafür sorgt, dass tausende von Flüchtlingen im europäischen Niemandsland als Geisel einer gescheiterten europäischen Menschenrechtspolitik feststecken, ist “Corona sei Dank” wieder fast vergessen. Die österreichischen Zelte verschimmeln in irgendeinem griechischen Lagerhaus und die Flüchtlinge warten auf die Winterkälte, gegen die auch diese Zelte nicht helfen würden. Die evangelischen Bischöfe in Deutschland fordern, die Flüchtlinge bis Weihnachten von den Inseln zu evakuieren. Aber dieses Jahr fällt Weihnachten wohl aus. Immerhin: Deutschland hat seit April 1192 Flüchtlinge aus Griechenland aufgenommen…
Für die Ausstellung “Die letzten Europäer” haben wir mit einem der bekanntesten europäischen Migrationsexperten, mit Gerald Knaus am 10. September in Bregenz über sein neues Buch Welche Grenzen brauchen wir? Zwischen Empathie und Angst – Flucht, Migration und die Zukunft von Asyl (erschienen bei Piper, 2020) und den weitgehenden Stillstand in der europäischen Flüchtlingspolitik gesprochen.

Gerald Knaus ist Gründungsdirektor der Denkfabrik European Stability Initiative (ESI). Und tritt immer wieder als kenntnisreicher Kritiker von Korruption, Menschenrechtsverletzungen und der Demontage rechtsstaatlicher Prinzipien auf. Regierungen und Institutionen in Europa hören, so heißt es, auf ihn, wenn es um Fragen von Flucht, Migration und Menschenrechten geht. Leider tun sie keineswegs immer, was er rät. Auch wenn die ungarische Regierung Knaus inzwischen, wegen seines angeblichen Einflusses auf die EU zum Staatsfeind erklärt hat, ganz in der Folge ihrer antisemitischen Hetzkampagnen gegen George Soros.

Immerhin, dass es 2015 zu einem modus vivendi mit der Türkei gekommen ist, der den Migrationsdruck im östlichen Mittelmeer verminderte und dafür Mittel zur Unterstützung von Flüchtlingen in der Türkei bereitstellte, geht auch auf seine Expertise zurück. Dass Europa diese Unterstützung 2020 einseitig beendete, führte schließlich zur erneuten Krise. Doch davon wollte die europäische Politik, unter dem Druck rechtspopulistischer Stimmungen, natürlich nichts wissen.

Gerald Knaus, gebürtiger Österreicher mit Verbindungen nach Vorarlberg, studierte Philosophie, Politik und internationale Beziehungen in Oxford, Brüssel und Bologna, ist Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations und war für fünf Jahre Associate Fellow am Carr Center for Human Rights Policy der Harvard University Kennedy School of Governance in den USA. Heute lebt er in Berlin.

 

Ulrike Guérot im Gespräch mit Felicitas Heimann-Jelinek über Europäische Demokratie

Heute vor zwei Jahren, hundert Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs und der Ausrufung demokratischer Republiken, wurde in 25 europäischen Ländern von hunderten von Balkonen die Europäische Republik ausgerufen. Eingeladen dazu, an dieser künstlerisch-politischen Aktion teilzunehmen, hatte das European Balcony Project, geleitet von Ulrike Guérot, Milo Rau, Robert Menasse, und Verena Humer. Mit ihrem Manifest zur Ausrufung der Europäischen Republik gingen sie bewusst über das Kleinklein europäischer Realpolitik hinaus und stellten sie dem grassierenden Nationalismus die Utopie einer gemeinsamen Europäischen Demokratie entgegen.

Felicitas Heimann-Jelinek hat eine der Autorinnen des Manifests, Ulrike Guérot, in Wien getroffen – um mit ihr über europäische Demokratie und ihre Widersacher, über Macht und Ohnmacht des europäischen Parlaments, über den Brexit und seine Wirkungen zu sprechen. Ulrike Guérot ist Professorin für Politikwissenschaft und leitet die Abteilung für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems. Außerdem ist sie die Gründerin des European Democracy Lab in Berlin. Gerade ist von ihr das Buch Nichts wird so bleiben wie es war? Europa nach Krise erschienen.

Hier ist das Interview, das wir am 11. September 2020 mit ihr geführt haben.

 

“Nawid ist weg” – ein Gespräch mit Ernst Schmiederer über einen umherirrenden Freund

Am 5. November sprach ich mit Ernst Schmiederer über seine Begegnung mit jungen Flüchtlingen. In Österreich und Frankreich, in Schubhaft und in einer möglichen anderen Welt. Und sein Buch über Nawid.
Österreich schmückt sich damit, ob türkisblau oder türkisblau-grün, die Zahl der Flüchtlinge im Lande zu verringern. Über den Preis den Menschen dafür bezahlen, die seitdem innerhalb Europas auf der Flucht sind, wird wenig geredet. Ernst Schmiederer tut es. Seine Bücher kann man auch bestellen.
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