Gestrandet und missbraucht

Rückblick, 1.3.2020: In der Türkei leben zur Zeit 4.000.000 syrische Flüchtlinge, mehr als in jedem anderen Land der Welt. Die Türkei kann diese Lasten nicht allein tragen und ist angesichts der nach wie vor steigenden Zahl der Bürgerkriegsflüchtlinge auch weiterhin auf Hilfe angewiesen. Der „Deal“ zwischen der EU und der Türkei von 2016 hat drei Jahre lang den Migrationsdruck auf Griechenland radikal vermindert, auch wenn sich beide Seiten nicht an alle Vereinbarungen hielten. Doch die EU will öffentlich nicht über eine Verlängerung des informellen Abkommens reden. Erdogan hat nun, die Grenze zu Griechenland als „offen“ erklärt – und schickt offenbar Flüchtlinge mit Bussen an die griechische Grenze um Druck auf die EU auszuüben. Die griechische Grenzpolizei spricht von ca. 5000 Menschen, die nun im Niemandsland campieren. Erdogan von mehr als 18.000 Menschen. Europäische Boulevardzeitungen wiederum sprechen in den nächsten Tagen von immer höheren Phantasiezahlen, die noch die türkische Propaganda übertreffen. Das einzige, was der österreichischen Regierung dazu einfällt, ist das Angebot an die griechische Regierung die Grenzsicherung durch Polizei zu unterstützen.

40.000 Asylsuchende sitzen derweil in überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis fest, alleine 20.000 von ihnen im Lager Moria auf Lesbos. Dort herrschen dramatische Zustände. 1300 Bewohner teilen sich dort einen funktionierenden Wasserhahn. Es wird darüber spekuliert, was geschehen würde, wenn sich Corona in diesen Lagern ausbreiten würde. Acht Mitgliedstaaten der EU haben sich bereit erklärt, insgesamt 1600 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen. Österreich ist nicht darunter.

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