Missverständnisse

Rückblick, 28.4.2020: Präsident Trump hat vor vier Tagen bei seiner Pressekonferenz gefordert, neue Behandlungsmethoden zu prüfen: zum Beispiel die Injektion von Desinfektionsmitteln oder die Bestrahlung mit UV-Licht. Gesundheitsbehörden warnen daraufhin davor, solche Experimente zu machen. Wenig später werden die ersten Todesopfer dieser „Behandlungsmethode“ gemeldet. Trump hat inzwischen erklärt, er habe diese Vorschläge „sarkastisch“ gemeint, um Journalisten zu testen. Ein Missverständnis.

Auch das österreichische Gesundheitsministerium hat mit Verständnisproblemen zu kämpfen. Es stellt nun klar, dass es sich beim „Verbot“ des Besuchs bei Freunden und Verwandten, das in der allgemeinen Wahrnehmung seit Mitte März besteht, um ein „Missverständnis“ handelt.

Die entsprechende Formulierung auf der homepage des Ministeriums besteht aus zwei Fragen und einer Antwort: „Wann enden die Ausgangsbeschränkungen? Wann sind Besuche bei Familienmitgliedern oder Freunden wieder erlaubt?“ „Die Ausgangsbeschränkungen wurden bis Ende April verlängert.“ Nun stellt eine Sprecherin des Ministeriums öffentlich fest, worum es sich bei dieser Nicht-Erlaubnis nicht handelt: „Natürlich ist das kein Verbot“. Vermutlich, weil ein solches Verbot in Wirklichkeit verboten wäre.

Man kann dies als eine typisch österreichische Lösung des gegenwärtigen Dilemmas verstehen. Nur diesmal funktioniert sie umgekehrt. Gesetzliche Verbote gelten ja in Österreich häufig als „Empfehlung“. In diesem Fall ist es eindeutig im Interesse der Pandemiebekämpfung, wenn möglichst viele Menschen diese Empfehlung als „Verbot“ missverstehen und ihre sozialen Kontakte reduzieren. Das kann im Moment nicht schaden.

Die offizielle Zahl der Coronatoten in den USA hat unterdessen die Grenze von 50.000 überschritten, in Großbritannien sind schon mehr als 20.000 Menschen an Covid 19 verstorben. Es zieht damit in dieser traurigen Statistik an Italien und Spanien vorbei.

Nicht missverstanden werden möchte hingegen FPÖ-Vorsitzender Herbert Kickl. Er will allen Österreicherinnen und Österreichern 1000,- € zum Einkaufen in Österreich schenken. Natürlich nur den österreichischen Staatsbürgern.

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