Index auf dem Index. Zum Sterben der Pressefreiheit in Ungarn

Rückblick, 26.7.2020: Schon 80% aller Medien in Ungarn werden von der Regierung Viktor Orbans kontrolliert. Nun wird auch das letzte einflussreiche Medium ausgeschaltet, das für unabhängige Berichterstattung einstand: das Online-Portal Index, das mit anderthalb Millionen Leserinnen und Lesern zum reichweitenstärksten Medium des Landes geworden ist. Chefredakteur Szabolcs Dull wurde gestern vom neuen Chef der „Index-Stiftung“ László Bodolai zu einem Treffen außerhalb der Redakteursräume gebeten, um eine „geschäftliche Angelegenheit“ zu besprechen. Und bekam dort seine Kündigung überreicht. Inzwischen haben fast alle Redaktionsmitglieder aus Solidarität ebenfalls gekündigt, mehr als 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sehen unter den jetzigen Umständen keine Chance mehr für unabhängigen Journalismus. Dull und seine KollegInnen haben die Gefahr kommen sehen.

Index erlebte in den letzten Jahren mehrere Eigentümerwechsel. Verschiedene Oligarchen wechselten einander ab, bis im Frühjahr, am ersten Tag des Corona-Notstands ein enger Vertrauter Orbans, Miklós Vaszily die Hälfte der der Anteile der Werbeagentur erwarb, die das Anzeigengeschäft von Index organisierte. Eine geschickte Übernahme durch die Hintertür. Vaszily, der schon mehrfach die Drecksarbeit für Orban erledigt hat, ließ keinen Zweifel daran, was als nächstes auf der Tagesordnung stehen könnte. Gestern war es schließlich so weit. Ungarn steht schon jetzt auf Platz 89 in der Rangliste der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“. Dabei wird es nicht bleiben. Noch gibt es einige wenige Medien, die nicht gänzlich auf Regierungslinie sind. RTL Klub, HVG, 444.hu und 24.hu sind wohl die nächsten, deren Übernahme ansteht.

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